Interview mit Akira Toriyama von der Leipziger Buchmesse 2004

Beitrag von Matt @matt@x0r.be

Gut 14 Jahre vor dem Dragon Ball Super-Mangaka Toyotarō besuchte auch Dragon Ball-Originalautor Akira Toriyama die Leipziger Buchmesse, die damals vom 25.-28. März 2004 stattfand. Der Carlsen Verlag führte dort ein Interview mit Toriyama, das später in der Juniausgabe der BANZAI! (2004 #06) im Mai 2004 veröffentlicht wurde:

Cover der BANZAI! (2004 #06)
Toriyama-sensei, Sie sind mittlerweile auf der ganzen Welt eine Berühmtheit. Was ist das für ein Gefühl und wie gehen Sie persönlich mit dem Rummel um Ihre Person um?
Ich freue mich, wenn meine Arbeit berühmt ist, aber ich persönlich bin sehr schüchtern und möchte nicht berühmt sein. Deshalb lasse ich keine Fotos von mir veröffentlichen, sodass mich niemand erkennt und ich bis jetzt ein ganz normales Leben führen konnte.

In welchem Alter begannen Sie, Manga zu zeichnen?
Als ich anfing, war ich schon 21. Das lag daran, dass ich eigentlich nicht vorhatte, Mangaka zu werden.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?
Als Kind wollte ich Maler werden.

Was für ein Gefühl war es, Ihr erstes veröffentlichtes Werk in Händen zu halten?
Natürlich war ich sehr glücklich. Aber ich war daran gewöhnt, dass meine Arbeiten gedruckt werden, weil ich davor in der Werbung gearbeitet hatte. Immerhin haben meine Eltern seitdem nie wieder gesagt: "Tu was Anständiges! Und zeichne nicht immerzu Manga!" Das hat es mir erleichtert mit dem Zeichnen weiterzumachen.

Welche Manga haben Sie früher gelesen und welche Mangaka waren Ihre Vorbilder?
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht viele Werke anderer Mangaka gelesen, außer in meiner Kindheit Astro Boy von Osamu Tezuka. Aber seit kurzem sind meine Frau und meine Kinder ganz wild auf 20th Century Boys von Naoki Urasawa. Irgendwann habe ich nicht mehr verstanden, wovon sie redeten, und habe mich deshalb entschlossen, diesen Manga zu lesen. Er hat mir besser gefallen als jeder Kinofilm. Wenn ich mehr Manga lesen würde, könnte ich sicherlich noch einige andere Mangaka nennen, die genauso großartig sind.

Wie kommen Sie auf Ihre Ideen? Haben Sie einen speziellen Trick?
Auf Ideen zu kommen ist schwierig. Man muss ein Skizzenbuch führen und verschiedene Ideen durchgehen. Da ich kein gewöhnlicher Kerl bin, versuche ich zu einfache Stories zu vermeiden. Die richtige Mischung aus fest geplanten und spontanen Ideen und Einfällen ist sehr wichtig.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen, dem Verleger und der Redaktion?
Normalerweise sollte die Beziehung zwischen Autor und Redaktion so funktionieren, dass, wenn etwas nicht ganz richtig ist, der Redakteur diesen Fehler entdeckt und dann die Arbeit in die richtige Richtung lenkt. Mein Redakteur, Torishima-san hatte viele gute Ideen, die ich auch umsetzte. Allerdings waren auch welche dabei, die ich nicht gut fand. Dann sagte ich: "Das ist eine gute Idee", um ihn glücklich zu machen, setzte die Idee aber trotzdem nicht um. Seine brillantesten Ideen habe ich mir aufgehoben, und dann nach und nach in meine Arbeit eingefügt. Ich denke, er hatte es mit mir nicht leicht, weil ich nicht immer auf ihn gehört habe.

An welchem Ihrer Werke hatten Sie beim Zeichnen am meisten Spaß?
Eindeutig bei Neko Majin! Es hat Spaß gemacht, meine eigene Geschichte auf die Schippe zu nehmen. Von Dragon Ball gab es in Japan irgendwann so viele Parodien, dass ich dachte, es sei Zeit, selbst eine zu zeichnen. Sozusagen meine "offizielle Dragon Ball-Parodie".

Warum haben Sie 2003 erneut drei Neko Majin-Stories gezeichnet?
Offenbar mochten die Leser Neko Majin genauso gerne wie ich. Also sagte mein Verleger, ich solle mir neue Abenteuer einfallen lassen.

Lesen Sie ab und zu noch Ihre eigenen Manga?
Normalerweise nicht. Ich habe Dragon Ball zum ersten Mal wieder gelesen, als ich an den neuen Coverillustrationen für die japanische Dragon Ball-Gesamtausgabe arbeitete. Ich habe einfach zu viel zu tun, um alle meine Manga zu lesen.

Gibt es in Japan etwas Vergleichbares zu unserem "Manga-Talente"-Wettbewerb?
Oh, da gibt es sehr, sehr viele Wettbewerbe. So viele, dass man sie kaum zählen kann. Auch ich habe früher an einem Wettbewerb teilgenommen, den ich allerdings nicht gewinnen konnte. Ich war als Zeichner noch zu unerfahren.

Haben Ihre Kinder auch zeichnerisches Talent? Wollen sie auch Mangaka werden?
Meine Kinder haben schon Talent, aber ob sie Mangaka werden wollen, weiß ich nicht genau.

Sind Sie das erste Mal in Deutschland? Wie gefällt es Ihnen bisher?
Ich war vor zehn Jahren einmal in Hockenheim bei einem Formel-1-Rennen. Damals war jeder nett und hilfsbereit zu mir und ich bekam einen sehr guten Eindruck von Deutschland.

Wenn Sie Nachwuchszeichnern einen Tipp geben müssten, was würden Sie sagen?
Natürlich ist es am Anfang sinnvoll, japanische Manga zu kopieren, aber die deutschen Manga-Zeichner sollten einen eigenen Stil entwickeln und landestypische Elemente einbauen. Auf längere Sicht werden die deutschen Leser die deutschen Manga mehr mögen als die japanischen.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht Manga zeichnen?
Ich mag Modellbau sehr gerne. Außerdem bin ich früher gern mit dem Motorrad herumgefahren.

Gibt es einen Unterschied zwischen Ihren japanischen und Ihren deutschen Fans?
Ich habe keinen Unterschied festgestellt. Die deutschen Fans sind genauso verrückt auf Manga wie die japanischen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ehrlich gesagt hat mich das Mangazeichnen in den letzten Jahren sowohl körperlich als auch geistig erschöpft. Ich würde mich gerne mehr auf Grafik-Design konzentrieren, aber irgendwann möchte ich wieder einen Super-Manga zeichnen!

Wir bedanken uns herzlich für das Interview, Toriyama-sensei!






Quelle: BANZAI! (2004 #06)

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